Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 25.04.2005

Rede zum Maiempfang von Nils Mauch, Betriebsrats-Vorsitzender Phoenix

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren,
ich spreche hier als Vertreter der Phoenix Belegschaft, die sich nach der feindlichen Übernahme durch die Continental AG trotz des besten Jahres der Konzerngeschichte Sorgen um ihre Zukunft machen muss.
Eine Übernahme, die - obwohl es möglich gewesen wäre - vom Hamburger Senat nicht verhindert wurde. Man wollte sich hier nicht einmischen! Hier hätte mit einer Investition von 60 Mio. Euro, ein Bruchteil des Prestigeprojektes DASA, nicht nur ein großer Steuerzahler am Standort Hamburg gehalten werden, sondern obendrein hätte der Senat unter der Führung durch Herrn von Beust auch deutliche Signale für die Zukunft des Industriestandortes Harburg setzen können.
Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich freue mich, dass der Airbus in Hamburg gebaut wird, hätte mir aber ein wenig des Engagements des Bürgermeisters für Phoenix und die nun von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen erhofft.
Aber dieses ist Schnee von Gestern ; wir müssen den Blick nach vorn richten, aus diesem Grunde erwarten wir, dass sich der Bürgermeister in diese Problematik einschaltet und die Weichen in Richtung einer aktiven Industriepolitik stellt. Denn Hamburg - und hier insbesondere Harburg - braucht die Industrie, um auch im Handel und im Handwerk attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können.
Aus diesem Grunde muss hier nicht nur die mutwillige Vernichtung von 860 der 2100 Arbeitsplätzen am Standort Harburg durch die Continental AG verhindert werden, sondern auch eine Perspektive für die verbleibenden Arbeitsplätze erarbeitet werden, da durch den Wegfall der Phoenix in Harburg noch einmal etwa die gleiche Anzahl von Arbeitsplatzverlusten im Umfeld droht.
Deshalb erwarten wir, dass hier nun endlich alle Möglichkeiten des Senats und des Bürgermeisters genutzt werden, Continental dazu zu bewegen, ihre Pläne zu überdenken und klare Konzepte für die Zukunft des Phoenix - Standortes sowie des Industriestandortes Harburg zu erarbeiten.
Durch einen Zusammenbruch der Phoenix würde Harburg erheblichen Schaden nehmen.
Ansätze hierzu könnte zum Beispiel eine aktive Ansiedlungspolitik für industrienahe Gewerke auf dem Phoenix - Gelände sein, um einen Dominoeffekt zu verhindern.
Wir erwarten aber auch, dass Herr von Beust sein politisches Gewicht in die Waagschale wirft.
und den Verantwortlichen der Continental und hier namentlich Herrn Wennemer, dem Manager des Jahres, deutlich macht, dass ein Unternehmen nicht nur seinen Aktionären, sondern auch seinen Arbeitnehmern gegenüber eine Verantwortung hat.
Auch muss diesem Manager endlich beigebracht werden, dass die Verfassung auch für ihn gilt.
„Eigentum verpflichtet , es soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen" steht im Grundgesetz und nicht, es soll nur den Aktionären dienen.
Auch erwarte ich, dass er sich nicht mit Allgemeinplätzen abspeisen lässt, sondern sehr nachdrücklich verbindliche Zukunftskonzepte für den Standort Harburg von Continental verlangt, nachdem man im Mai letzten Jahres fahrlässig die Handlungsoptionen zur Verhinderung der Übernahme aus der Hand gegeben hat.
Auch erwarte ich von den Verantwortlichen der Continental, dass sie ihre arrogante und dogmatische Haltung überdenken und dass Herr Wennemer endlich mit dem Klassenkampf von oben aufhört.
Die Arbeiter und die Kunden in Deutschland haben das Unternehmen nach vorn gebracht und zu dem gemacht was es heute ist.
Ich erwarte von Managern Deutscher Konzerne, dass sie sich aktiv an der Entwicklung unserer Gesellschaft beteiligen. Denn durch die Arroganz der Macht und die Skrupellosigkeit,
mit der sie trotz Milliardengewinnen Menschen die Existenzgrundlage entziehen, wird, wenn es so weitergeht, im Klassenkampf enden. Deshalb fordere ich sie auf, Ihrer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung gerecht zu werden, denn wir Phoenixianer, und ich hoffe auch alle anderen in einer ähnlichen Situation, werden alle Möglichkeiten ausschöpfen um unser Recht zu kämpfen.
Ich danke für Eure und Ihre Aufmerksamkeit

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