Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 11.07.2006

Weiter sinkende Krankenstände

Wer um seinen Job bangt, schleppt sich auch krank zur Arbeit
In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sinken die krankheitsbedingten Fehltage*, so der DGB Hamburg. Hauptursache: die Angst davor, bald selbst auf der Straße zu stehen.
„Wer um seinen Job bangt und zudem weiß, dass jeder Fehltag noch mehr Arbeit für die Kollegen bedeutet, traut sich nicht, seine Krankheit auszukurieren und schleppt sich auch angeschlagen zum Arbeitsplatz“, so Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. „Das ist fatal für den Arbeitnehmer, der so riskiert, dass seine Krankheit chronisch wird, schlecht für die Kollegen, die sich wohlmöglich anstecken und auch nicht gut für das Unternehmen, da kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz eher Fehler machen und Produktionsverluste verursachen könnten.“
Die Sorge um den Arbeitsplatz werde geschürt durch die um sich greifende Profitgier in etlichen - besonders börsennotierten – Unternehmen, so Hamburgs DGB-Vorsitzender: „Trotz extremer Gewinne werden - wie gerade aktuell bei der Allianz – massenhaft Leute entlassen, die Arbeitsdichte sowie die Jobunsicherheit erhöht, die Motivation gesenkt und damit die Belastung für die Arbeitnehmer stärker. Die Arbeitswelt wird rauer: Psychische Erkrankungen sind deshalb nicht zufällig auf dem Vormarsch.“ * *
Es müsse endlich Schluss sein mit dem Personalabbau-Wahn. Sonst würden Angstzustände und Depressionen zu Volkskrankheiten, so Erhard Pumm. „Und das sind dann Krankheiten, die nur sehr langsam zu heilen sind, also mittelfristig nennenswerte Ausfälle zur Folge haben werden. Arbeitnehmer brauchen ein gutes Betriebsklima, um gesund zu bleiben – Verlässlichkeit in den Absprachen, offene Kommunikation, weder Über- noch Unterforderung, ein angemessenes Arbeitspensum.“
Zudem fordert der DGB bessere betriebliche Maßnahmen zur Krankheitsprävention.

* Krankenstand AOK Hamburg (230 000 Mitglieder in HH und damit die größte Krankenkasse in der Hansestadt) zum Stichtag 1. Mai 06: 3,73 Prozent der Mitglieder waren an diesem Tag krank gemeldet.
Für das Jahr 2005 registrierte die AOK insgesamt einen Krankenstand von 5,2 Prozent, im Jahr 2004 waren es 5,3 Prozent

* * Zunahme psychischer Erkrankungen: Allein im Jahr 2004 stieg die Anzahl der dadurch bedingten Ausfalltage um 10 Prozent.
Ein Grund dafür ist der fortschreitende Stellenabbau in den Unternehmen, der für die verbleibenden Mitarbeiter zu extremer Verunsicherung und Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes führt. Das geht u.a. aus dem Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) hervor, der sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Arbeitsplatzunsicherheit und Gesundheit beschäftigt. Für diese repräsentative Studie wurden 2000 Arbeitnehmer befragt - in fast der Hälfte ihrer jeweiligen Unternehmen wurden Stellen abgebaut.

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