Deutscher Gewerkschaftsbund

19.01.2021

Rückblick: Neujahrsempfang DGB Bergedorf

„Erschwerte Arbeitsbedingungen unter Corona“ – Wie gehen Betriebs- / Personalräte und Gewerkschaften damit um? Der DGB Bergedorf hatte unter diesem Motto zu seinem traditionellen Neujahrsempfang  am 15. Januar 2021 eingeladen. Dieses Mal aber nicht im Gewerkschaftszentrum am Serrahn 1, sondern wegen der Corona-Pandemie digital im Videoformat. Über 50 Menschen aus Gewerkschafts- und Betriebsratskreisen, vom Sozialverband und aus der Politik nahmen teil.

von Bernhard Nette, DGB Bergedorf

NJE Bergedorf 2021

NJE Bergedorf 2021 DGB HH

Statt des erkrankten (kein Corona) Vorsitzenden des DGB Bergedorf, Ernst Heilmann, wurde die Sitzung von Michaela Freudenfeld (DGB Hamburg) und von den stellvertretenden Bergedorfer Vorsitzenden Thomas Auth-Wittke, Necmettin Pamuk und von Marit Pufahl geleitet.

Dieses Mal gab es keine Getränke und keine Häppchen gemeinsam im gemütlichen Saal, dafür aber eine disziplinierte, intensive und  sehr spannende Diskussion zu der Frage, was für neue Aufgaben  in Pandemie-Zeiten auf die  Gewerkschaften zugekommen sind und noch zukommen werden. Es ging vor allem um aktuelle Aufgaben des Gesundheitsschutzes (Infektionsschutz auf dem Arbeitsweg und im Betrieb) und des Arbeitsschutzes, vor allem für die im Homeoffice Tätigen.

Hauni: Arbeitsplatzabbau, Gesundheitsschutz, Homeoffice

Uwe Zebrowski, der Betriebsratsvorsitzende der Hauni (IG Metall), schilderte die Situation in seinem Betrieb. Er berichtete von der geplanten Entlassungswelle bei Hauni, die schon vor Corona geplant war. Dass viele Beschäftigte der Hauni in Homeoffice arbeiteten, aber natürlich nicht die direkt in der Produktion Tätigen. Für beide Beschäftigungsgruppen versuche der Betriebsrat  zusammen mit den Vertreter*innen der IG Metall den Infektionsschutz zu verbessern, zumal gesundheitspolitische Maßnahmen zum Kernbereich der Betriebsratsarbeit gehörten.

Corona habe dazu geführt, dass der Betriebsrat seine Arbeit stark umstellen musste. Das sei aber nicht ohne Erfolg geblieben. So hätten sie unter anderem einen großen Vertrauenskörper aufgebaut. Insgesamt hätten sie über 300 neue Mitglieder für die IG Metall gewinnen können. Der Organisationsgrad im Betrieb sei stark gewachsen.

ver.di: Corona als große Herausforderung für die Gewerkschaftsarbeit

Berthold Bose, der Landesbezirksleiter von ver.di Hamburg, konnte steigende Mitgliederzahlen in Corona-Zeiten auch für seine Gewerkschaft bestätigen. 6.000 neue Mitglieder zeigten, dass die Gewerkschaften gerade im Gesundheitsbereich oder zuletzt mit der Tarifrunde im öffentlichen Dienst überzeugen könne.

Er wies darauf hin, dass einige Firmenleitungen die Corona-Situation ausnutzten und versuchten, die Rechte der Betriebsräte und Gewerkschaften im Betrieb auszuhebeln. So sei ihm zu Ohren gekommen, dass der kurzfristige technische Ausfall der Verbindung bei einer digitalen Betriebsversammlung dazu geführt habe, dass die Betriebsleitung Beschlüsse nach der Pause für ungültig erklärte, weil zur „neuen“ Sitzung nach der Pause nicht form- und fristgerecht eingeladen worden sei. Ob diese Geschichte stimme, wisse er aber nicht ganz genau. Sicher sei aber, dass mit den vielen digitalen Formaten auch viele Unsicherheiten verknüpft seien, gerade auch was Rechtliches anginge.

Große Diskussion über Homeoffice - auch hier ist Solidarität gefragt

Einen breiten Rahmen nahmen die Chancen, vor allem aber die Probleme der Homeoffice Tätigkeiten ein. Michael Petersen, Betriebsratsvorsitzender von Federal Mogul in Reinbek und Vertreter der IG BCE, hielt ein beeindruckendes Plädoyer für die Rechte der Beschäftigte, die es auch und gerade in Pandemie-Zeiten zu verteidigen gelte.

Er wies darauf hin, dass sich nicht nur neue Chancen mit der neuen Arbeitsmobilität im Homeoffice ergäben, sondern dass dabei u.a. auch das Zusammengehörigkeitsgefühl – früher nannte man es Solidarität – der Beschäftigten unter die Räder geraten könne und dass vor allem Frauen unter der sich fast unbegrenzt erweiterten Arbeitslast zuhause leiden müssten. Aufgabe der Gewerkschaften und der Politik sei es, beim Homeoffice „Schutzzäune“ zu schaffen.

In der Pandemie stellt sich die Frage nach der Verteilung der Kosten

Klaus Wicher, Landesvorsitzender des Sozialverbandes Deutschland  (SoVD) in Hamburg betonte, dass vor allem bei der zweiten Pandemie-Welle die Ärmsten der Armen getroffen würden.

Metin Hakverdi (SPD), Mitglied des Bundetages für Bergedorf und Wilhelmsburg, forderte einen verschärften Lockdown auch in den Betrieben,  erläuterte engagiert die Kritik der SPD an der gegenwärtigen Verteilungspraxis der Impfstoffe und warnte ebenso wir der Bürgerschaftsabgeordnete Ali Simsek (SPD) davor, dass die Bezahlung der neuen Schulden vor allem die nicht so reiche Bevölkerung treffen werde. 

Psychische Belastung der Kolleg/-innen im Homeoffice darf nicht vergessen werden

Auch über die psychische Belastung der Kolleg/-innen im Homeoffice machten sich viele Teilnehmer*innen des Neujahrsempfangs Gedanken. Einsamkeit, die fehlenden Gespräche auf dem Flur machten vielen zu schaffen.

Nach zwei Stunden endete eine lebendige Diskussion.

Fazit: Ein traditioneller Neujahrsempfang im Serrahn sei digital nicht zu ersetzen. Dennoch war es ein sehr guter Austausch aller Beteiligten. 


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Serrahnstr. 1
21029 Hamburg
Email:gewerkschaftszentrum[at]dgb-bergedorf.de
Tel.: 0170 - 216 047 5

 

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Stellvertreter: Necmettin Pamuk und Thomas Auth-Wittke
Schriftführerin: Marit Pufahl

 

Hauptamtlich
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Tel.: 040 - 607 766 111
Email: michaela.freudenfeld[at]dgb.de

 

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